Falsch-Spieler? So kann man der Kreuzfahrt schaden …

Unglaublich – die selbst gesetzten Sicherheitsbestimmungen nicht umsetzen, die von den Behörden geforderten und mit diesen abgestimmten Regelungen nicht einhalten, und dann noch Corona-Fälle an Bord vertuschen. Was Hurtigruten da in Norwegen geleistet hat, schadet nicht nur der Kreuzfahrt-Industrie, sondern dem Tourismus insgesamt, und noch mehr all denjenigen, die gerne in absehbarer Zeit wieder auf interessante Reisen gehen möchten.

Sträflich wird hier mit all dem umgegangen, was die Corona-Pandemie erfordert, undf was all diejenigen, die sich nicht zu den Fake-News-Theoretikern, Wirklichkeits-Ignoranten und Verschwörungs-Theoretikern zählen, als Selbstverständlichkeit im verantwortungsvollen Umgang miteinander angesehen wird. Leidtragende sind jetzt als erste die Passagiere von TUI Cruises, die sich aufmachen wollten auf eine Panoramafahrt nach Norwegen, entlang der Küsten und in die Fjorde hinein, ohne Landgänge – egal, wie man eine solche Fahrt bewerten mag. Norwegen hat die Reißleine gezogen; nicht nur die Häfen sind für Landgänge geschlossen, sondern sogar die norwegischen Hoheitsgebiete sind jetzt für Kreuzfahrtschiffe gesperrt. Näher wie zwölf Meilen darf kein Kreuzfahrtschiff mehr der norwegischen Küste kommen.

Norwegen hatte gerade erst mit einer vorsichtigen Öffnung für den Tourismus begonnen. Kreuzfahrten von TUI Cruises und AIDA sollten zunächst entlang der norwegischen Küste auf Sight-Seeing gehen; beide Anbieter rechneten schon fest damit, dass bald wieder Häfen angelaufen werden können, in denen man zumindest organisierte Landausflüge anbieten kann. Alles dahin. Wie lange nun diese Sperre gilt, das wird sich zeigen. Jetzt schippern die Schiffe von TUI Cruises erst einmal alternativ über die Ostsee, mit einigen Küstenfahrten in Schweden durch die Schären vor Stockholm und in der Nähe der finnischen Werften um Turku. Die Panoramafahrt hat die Kulisse geändert.

Weit tragischer ist, dass der Neustart der Kreuzfahrt gleich durch den ersten Anbieter, die diese unternommen haben, so gründlich auf die falsche Spur geführt wurde – und nunmehr all die guten Absichten und Programme, die von den Kreuzfahrtanbietern verkündet und geplant sind, mit einer gehörigen Portion Misstrauen bei den Behörden, die für die Zulassung zuständig sind, „versüßt“ wurden.

So bleibt abzuwarten, wie lange Italien noch zögern wird, bis für die unter italienischer Flagge laufenden Schiffe von AIDA, Costa und MSC die Freigabe für die Wiederaufnahme der Reisen erhalten. Im Norden wird abzuwarten sein, wie es dort mit den Freigaben der Hoheitsgewässer und Häfen weitergeht. Und im Süden am Mittelmeer, wo Griechenland einige Häfen wieder freigegeben hat, wird es noch spannender sein, da hier auch Landgänge möglich sein werden.

Für diejenigen Kreuzfahrtanbieter, die schon unterwegs sind bzw. bald starten wollen, wird es wohl heißen, dass die Reisen weit mehr „auf See“ verlaufen werden. Der „Neustart“ wird sich beweisen am Umgang der Reedereien mit dem Thema Corona. Ganz vermeiden lassen wird sich das Thema Corona nirgendwo, auch nicht an Bord von Kreuzfahrtschiffen, wie die Meldungen über Corona-Fälle in der Crew bei so ziemlich allen Anbietern gezeigt hat. Ob man allerdings in ein paar Wochen noch von einem „Neustart“ oder von „Fahrten ins Aus“ sprechen wird, muss sich noch zeigen.

Bernhard Jans
08. August 2020

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Kreuzfahrt-Insolvenz – Schrott und Verschiebungen

Einen der „großen“ Anbieter hatte es ja schon getroffen, die Insolenz – die zu Royal Caribbean gehörende spanische Marke Pullmantur, deren drei Schiffe bereits zur Verschrottung in die Türkei unterwegs sind. „Nur“ Schiffe abgeben wird Costa – auch da steht das erste Schiff schon zur Verschrottung an, zwei sollen angeblich nach China gehen, und ein weiteres wurde vor wenigen Tagen an einen englischen Anbieter, South Quay Travel & Leisure Limited (SQTL), unterwegs als Cruise & Maritime Voyages, verkauft.

Just diesen Anbieter hat die Corona-Pandemie nun erwischt – er meldet Insolvenz an. Bedauerlich für den Anbieter und den englischen Markt, aber auch für das Kreuzfahrtenangebot in Deutschland, gehört doch „Transocean“, einer der wenigen noch am Markt befindlichen kleinen Anbieter, zu CMV. Also auch Insolvenz für Transocean.

Viele werden anmerken, dass damit endlich wieder einige Schiffe mehr von den Weltmeeren verschwinden könnten, dazu noch die älteren, nicht sonderlich umweltfreundlichen Modelle. Sie mögen recht haben, verkennen jedoch, dass damit der Tourismus, speziell die Kreuzfahrten, noch weiter von dem wegkommen, was einst einmal konstitutives Merkmal des Reisens war – Land und Leute entdecken.

Gerade die kleinen Anbieter sorgen mit ihren Schiffen für ungewöhnliche, spannende Reisen. Sie „liefern“ an den Zielen nicht Menschenmengen an, sondern wenige Besucher, und beeinflussen so örtliche oder regionale Lebensbedingungen weit weniger als die großen Schiffe oder auch riesige Hotelanlagen an Land. Sie ermöglichen mehr ursprüngliche Erlebnisse – und überfrachten nicht jegliches Ziel mit dem „Schrecken“ des Massentourismus. Abgesehen davon – gut dass es diesen gibt, sonst könnten „kleine“ Anbieter und „kleine“ Ziele nicht überleben …

Kleine Anbieter entzerren den Markt, bieten mehr das Besondere. Bedauerlich, wenn in einer Situation wie der Corona-Pandemie die großen Anbieter mit ihrer Marktmacht weit mehr Überlebens-Strategien entfalten, sich neu organisieren und vielleicht gar stärken und neu aufstellen können – und die kleinen Anbieter verschwinden. Das Kreuzfahrtenangebot wird sich weiter in Richtung Masse verschieben und verarmen. Auch das ist Schrott.

Bernhard Jans
21. Juli 2020

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