Damit haben die Hotels derzeit kein Problem, auch nicht die Restaurants, und noch weniger werden es die Kreuzfahrten sein, die über zu viele Buchungen klagen. Überfüllung ist mehr ein Problem überall dort, wo sich Lebensalltag und touristische Attraktivität treffen – all die Lebensbereiche und Regionen, die sich für den mehr oder weniger kleinen Ausflug eignen.

Eingebremst wurde durch die Corona-Pandemie nicht nur die Urlaubsreise, sondern auch die Kurzreise zwischendurch, irgendwohin ins Ausland. Nahezu jegliche touristische Aktivität ist jetzt auf inländische Ziele beschränkt – greift also in den Lebensalltag vieler Menschen ein. Das Ergebnis: An Wochenenden tummeln sich geradezu Menschenmassen auf Wander- und auf Radwegen.

Innenstädte zeigen sich überfüllt wie selten, vor allem romantischere Städtchen; ist Markt, drängeln sich die Besucher zwischen den Ständen. Gesichtsmasken? Selten. Am Wochenende gibt es Staus, inzwischen auch auf den Landstraßen in die Ferienregionen Deutschlands. Die Szenerie ist belebt wie seit langem nicht mehr, vor allem auch im Einzugsfeld der Ballungsregionen und Großstädte.

Entzerrung wäre angesagt. Aber eingeschliffene Verhaltensweisen lassen sich kaum ändern. Warum muss es auf Reisen immer das angeblich attraktivste Ziel oder die Vorzeigestadt sein – häufig sind kleine Orte rundherum weit interessanter und idyllischer. Warum erwartet einjeder den durchgeplanten Wanderweg, mit Beschilderung und genauer Angabe von Etappenzielen – der Wirtschaftsweg quer durch einen Wald oder ein Trampelpfad kann weit interessanter sein. Warum an einem Samstag der übliche Einkauf beim Discounter – ein Ausflug mit einigen Stops bei Bauernhofläden bringt dieselbe Warenvielfalt in besserer Qualität und dazu einige Erlebnisse. Und wer schätzt nicht einen Gasthof auf dem Land, abseits der großen touristischen Wege? Warum muss es der bestimmte See mit dem „großen Namen“ sein – warum nicht einer der anderen, ebenso schönen rundum? Und so weiter ..

Solche Fragen sind zugleich auch Antworten, die auf eines verweisen: Es gilt, vermeintlich fest gelegte Denk- und Verhaltensweisen zu verlassen, und so auch die Lebensqualität zu verbessern. Nicht das ansteuern, was alle tun – sondern dorthin steuern, wo es etwas zu entdecken gibt. Nicht nur wegen Corona – sondern vielleicht auch einmal ganz eigennützig, um das zu tun, was gerne nach jedem Urlaub und jedem Ausflug gemacht wird: Nicht darüber zu berichten, was jeder schon weiß, sondern mit dem glänzen können, was so neu ist, dass man davon begeistert erzählen kann. Auch dann, wenn es „nur“ die „kleine“ Entdeckung von gleich nebenan ist.

Bernhard Jans
21. Juli 2020

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