Wieder einmal ein neues Jahr, und auch der Jahreswechsel von 2021 auf 2022 lässt so gar keine wirklich gute Stimmung aufkommen. Gerne werden ja bei Neujahrswünschen Worte wie „froh“ oder „glücklich“ bemüht, aber bei diesem Jahreswechsel schleicht sich nicht nur ein wenig Unbehagen mit ein, was da so kommen mag, und salbungsvolle Worte sollten auch denen vorbehalten sein, die immer noch meinen, dass sie aus ihrem Munde angebracht wären.

Die Corona-Pandemie hat die Welt nach wie vor im Griff, und alle hoffen, dass sich das alltägliche Leben irgendwann wieder mehr auf Normalzustände hinbewegt. Aber bei all dem, was da auf den Straßen los ist, gibt es durchaus berechtigte Zweifel. Sicher, die Politik hat wenig glänzende Strategien aufgelegt und noch weniger vorbildliches Handeln gezeigt. Was Impfgegner vorbringen ist eher schräg, kaum verstehbar, aber noch irgendwie hinnehmbar; aber Fackelzüge, das erinnert fatal noch an anderes. Und Querdenken – das war einmal eine Bezeichnung für etwas Positives, um aus alten Denkmustern auszubrechen, auf neue Wege zu gehen; aber all das, was jetzt geschieht, hat mit denken kaum etwas zu tun, ist nur quer, eher verquer.

Das jetzt zu Ende gehende Jahr hat für alle viele Veränderungen mit sich gebracht – einige mögen bei all dem, was in diesem Jahr geschehen ist, mit kleinen Veränderungen im Alltags- und Berufsleben durchgekommen sein, andere hat es weit mehr oder gar tragisch getroffen. Covid hat die Welt insgesamt verändert, Naturkatastrophen haben ihr Übriges getan, und es scheint, als dass alles kaum in den Griff zu bekommen ist, weder im kleinen eher privaten oder regionalen Bereich noch im großen Geschehen. Vieles von dem, was eigentlich zukunftsorientierter Handlungsbedarf ist, wird in Formen von Kurzschlüssigkeit angegangen, so dass im Ergebnis eher Kurzschlüsse zu vermuten sind als Problemlösungen.

Zurück liegt ein Jahr mit unglaublichen Turbulenzen. Ganz direkt auch uns betreffend die Flutkatastrophe an der Ahr, dann um uns herum die Corona-Pandemie mit all den Auswirkungen auf das alltägliche Tun, ob privat oder beruflich – von den ganz großen Problemen ganz zu schweigen, seien es die politischen Ereignisse und Konflikte oder die Auswirkungen des Klimawandels, alles von Menschen verursacht, gerne als Problem der Umwelt oder Welt bezeichnet. Aber nicht die Welt hat ein Problem, wir haben ein Problem, wenn wir die Welt nicht wieder einregeln. Und so schleicht sich auch hier wieder einmal eine ganz egoistische Sichtweise ein, ob bei all den Ignoranten oder bei all den Gutmenschen und Aktivisten rundum.

Alle hat die Corona-Pandemie mehrfach getroffen, in wiederkehrenden Wellen, und zum Jahreswechsel pendelten wir wieder einmal auf einem nie geglaubten Höchststand der Infektionszahlen herum. Unser Alltag hat sich drastisch verändert. Es ist nicht nur die Bedrohung durch die Krankheit, allenthalben sichtbar an den Masken, an Einschränkungen und Regelungen bei all dem, was das Alltagsleben ausmacht, an Vorsichtsmaßnahmen, an die man sich mehr oder weniger gewöhnt hat. Es sind auch nicht nur die Debatten um all die Schutzmaßnahmen, die erforderlich sind, bis hin zu den Impfungen – noch unglaublicher ist es, wie angesichts extrem hoher Infektionszahlen und Sterberaten, auch völlig überlasteter Krankenhäuser, immer noch Corona-Leugner und Impf-Gegner aktiv sind, darunter viele, die man im privaten Bereich als durchaus überlegt und rational handelnde Menschen einschätzt.

Weit nachdenklicher macht noch, was sich nach dieser langen Corona-Zeit an Veränderungen im alltäglichen Leben dauerhaft einschleichen wird. Vorsicht und Schutz werden das Alltagsverhalten prägen. Abstand und Distanz werden vorherrschend sein, selbst innerhalb von Familien. Vorbei sind die Zeiten des Händeschüttelns oder noch engerer Begrüßungsformen. Arbeitsplätze werden zum Home Office, solche mit Kundenkontakt zur Video-Konferenz oder Telefongespräch. Persönliche Kontakte werden zu terminierten Gesprächen unter Sicherheitsbedingungen. Soziale Kontakte werden deutlich reduziert. Die Auflistung ließe sich endlos verlängern – aber es reicht bereits aus um festzustellen: Unser Lebensalltag wird ein anderer sein als vor der Pandemie, wir haben gelernt, Distanz zu halten, und verlernt, Nähe zu pflegen – was sich privat im täglichen Leben ebenso wie im gesellschaftlichen Zusammenleben auswirken wird.

All das wird sich auch im künftigen Reiseverhalten ausdrücken – und Reisen, wie wir sie einmal gemacht haben, werden wohl kaum mehr möglich sein; die Freiheiten bei egal welcher Reiseform, ob irgendein Pauschalurlaub an Land oder eine Kreuzfahrt, sind dahin. Sicherlich werden wir in Deutschland unseren Titel als „Reiseweltmeister“ nicht aufgeben – das hat sich jetzt schon während der Pandemie gezeigt, als nicht einmal Risikogebiete und Hochrisikogebiete eine Bremse darstellten. Aber es wird Veränderungen geben. Noch mehr werden die großen, fast abgeschotteten Feriengebiete und Angebote überhand nehmen, mit All-In-Versorgung, konzentriert auf Spaß, Spiel und Strand oder Schnee. Der Schwerpunkt aller Reisen wird wenig mehr mit „Land und Leuten“, also mit dem Leben in den Ländern zu tun haben, die bereist werden – außer es sind Besichtigungen und Ausflüge ähnlich einem Zoobesuch. In der Kreuzfahrt werden immer noch mehr die extrem großen Schiffe, eigentlich schwimmende Ferienparks, überhand nehmen, bei denen es gar nicht mehr so darauf ankommt, wo sie unterwegs sind – Hauptsache die Sonne scheint und der Freizeitpark auf dem Schiff bietet genügend Attraktionen. Kleinere Schiffe, mit denen auf Erkundung gegangen wird, werden immer mehr die Ausnahme sein – und die schwimmen weitgehend im Luxus-Bereich, und andere sind rar geworden.

Das neue Jahr hat begonnen. Hoffen wir einmal, dass sich die Turbulenzen in Grenzen halten werden – und dass trotz aller Nachdenklichkeit all das, was für das Leben wichtig ist, in diesem Jahr gut auf die Reihe kommt, und möglichst viel Zeit dafür zur Verfügung steht, das Leben zu genießen, tagtäglich, ob im Alltag oder auf Reisen, denn wer weiß, was bei allen Problemen, die sich rundum zeigen, die Zukunft bringen wird.

Bernhard Jans
9. Januar 2022

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